12.11.13 | 19.00 | Ruhr-Universität Bochum | HGC 30

Philosophie im Angesicht der Verzweiflung. Adornos negative Philosophie der Moral


Eine Moralphilosophie, die den eigenen Anspruch, moralisch zu sein, nicht preisgeben will, muß auf die Verstrickung von herrschender Praxis und herrschender Unfreiheit reflektieren, und dabei festhalten: daß „nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles.“ Angesichts der fortschreitenden Geschichte der Herrschaft und des Leidens läßt sich kein positiver Standpunkt der Moralphilosophie ausmachen, denn selbst „was der Mensch an sich sein soll“, läßt sich nicht sagen, da er immer nur das ist, „was er war: er wird an den Felsen seiner Vergangenheit geschmiedet.“ Wie ein freier Mensch wäre, läßt sich nicht antizipieren, so daß keine moralischen Prinzipien aus der inneren Verfaßtheit des Menschen abgeleitet werden können. Adornos negative Moralphilosophie ist keine ethische Konzeption, sondern Kritik sowohl der Moralphilosophie als auch der Herrschaft und des Leidens, die, gerade weil sie auf die Unfreiheit reflektiert, zugleich auf die Realisierung von Freiheit insistiert, ohne diese positiv zu bestimmen.


Referent: Paul Mentz