23.10.2008 | 19:30 | Ruhr-Universität | HGB 30

Nietzsche und die Materialistische Kritik

Vortrag von und Diskussion mit Hendrik Wallat


Anders als von verschiedenen Vertretern der Postmoderne behauptet, stellt Nietzsches Philosophie keine Alternative zum dialektischen Denken in der Tradition der klassischen kritischen Theorie dar. Als exponierte und avancierte Gestalt der nachhegelschen Philosophie ist sie allerdings als wortgewaltige Figur auf der Bühne des modernen Denkens, die zudem für sich beansprucht, die Krise eben jenes in Gedanken zu erfassen, eine bleibende Herausforderung für eine materialistische Kritik, die es ernst meint und sich dem fort-währenden Scheitern der Emanzipation stellt: Nietzsches Denken ist der adäquate und tragische Ausdruck der Dialektik der Aufklärung in ihren Extremata. Diese durchdenkt der Philosoph in ihren Perspektiven und Abgründen, die vom proto-faschistischen, ostentativen Elitismus bis zur Antizipation einer neuen, den Horizont der Moderne transzendierenden Auf-klärung reichen. Der Vortrag wird zu zeigen versuchen, dass diese Denkbewegung auf kon-stitutiven Widersprüchen basiert, die nicht den Weg in ein abstruses neues Denken aufzeigen, sondern angemessener als perspektivenreiche Verarbeitung des Widerspruchs unserer Welt, ihrer Abgründe und Möglichkeiten zu interpretieren sind.


Hendrik Wallat Jg. 1979. Promotion in Politischer Wissenschaft an der Universität Hannover 2008 mit der Arbeit: Das Bewusstsein der Krise. Marx, Nietzsche und die Emanzipation des Nichtidentischen. Arbeitsgebiete: Politische Theorie und Ideengeschichte, Gesellschafts- und Erkenntnistheorie, Tierphilosophie.

Kooperationsveranstaltung mit dem AStA