14.11.13 | 19.00 | Ruhr-Universität Bochum | HGC 30

Moralische Ökonomie? Zu Axel Honneths normativer Rekonstruktion des Marktes


Axel Honneth gehört zu den wenigen Intellektuellen mit kritischem Anspruch, die aus soziologischer und philosophischer Perspektive etwas Grundsätzliches über den modernen Kapitalismus zu sagen haben. Er knüpft dabei vor allem an Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts an. Der besondere Vorzug der hegelschen Rechtsphilosophie besteht nach Honneth darin, die lebensweltlich bereits realisierte Vernunft in den Mittelpunkt zu rücken. Dementsprechend sei es verfehlt, die moralischen Grundlagen der Gesellschaftskritik in wirklichkeitsfremder Weise zu konstruieren - dies wirft Honneth den Kantianern und Marxisten vor. Vielmehr ließen sich die moralischen Kritikmaßstäbe der Sozial-, Wirtschafts- und Theoriegeschichte entnehmen. Im Hinblick auf die Ökonomie bedeutet das: Der Markt ist für Honneth eine Sphäre bereits verwirklichter sozialer Freiheit; die moralische Forderung nach einer Begrenzung des Marktes sei nicht von außen an den Markt heranzutragen, sondern ihm selbst zu Eigen. Was Honneth unter sozialer Freiheit versteht und ob sein Marktverständnis überzeugt, ist Gegenstand des Vortrags.


Sven Ellmers, Dipl. Soz.-Wiss., geb. 1979, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg und Lehrbeauftragter im Fachgebiet Sozialphilosophie der FH Düsseldorf tätig.