24.5.2011 | 18.30 | Ruhr-Universität | KulturCafé

Arbeitsteilung und Eigentum im computerisierten Kapitalismus

Ein Vortrag von Nadine Müller


Im Prozess der Computerisierung findet ein Dominanzwechsel von körperlicher Arbeit an der Maschine zu geistig-kreativen Tätigkeiten, die vor allem durch Software unterstützt werden, statt. Die Arbeitsteilung in Form der Arbeitszerlegung von manuellen Operationen an der Maschine wird obsolet, denn die mechanische Maschine verliert als Kernstück der industriellen Produktion an Bedeutung; an ihre Stelle rückt mehr und mehr Software als das dominante Produktionsmittel. Dieser Dominanzwechsel ist Ausgangspunkt für die These, dass im Prozess der Computerisierung die Trennung von Leitung und Ausführung ihre produktivitätssteigernde Wirkung einbüßt und ihre herrschaftssichernde Funktion prekär wird. Die betriebliche Hierarchie als Trennung von Leitung und Ausführung und Grenze einer Demokratisierung am Arbeitsplatz hängt mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen eng zusammen. Deshalb verändern sich die Arbeitsteilung und die Eigentumsverhältnisse, damit die Arbeitsanforderungen im Prozess der Computerisierung erfüllt werden können. Aber die daraus resultierende praktische Vermittlung zwischen Eigentum und Herrschaft auf der einen Seite und dem computerisierten Produktionsprozess auf der anderen Seite als nur relative Selbstorganisation der Arbeitenden ist ineffizient. Es werden neue praktische Widersprüche offenbar. Da die kapitalistische Wirtschaft aufgrund ihrer – wenn auch sich verändernden – hierarchischen und privatarbeitsteiligen Struktur auf die Anforderungen der Computerisierung in lediglich suboptimaler Weise reagiert und die daraus resultierenden Krisen nicht bewältigt, erwächst die Notwendigkeit einer Demokratisierung von Arbeitsteilung. Diese Demokratisierung ist die Voraussetzung zur Entfaltung einer nachhaltigen Kreativität – in Form der „Kooperativen Individualität“.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem AStA der Ruhr-Universität Bochum statt.


Dr. Nadine Müller ist Sozialwissenschaftlerin und lebt in Berlin. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Innovationsforschung und nachhaltiges Ressourcenmanagement an der TU Chemnitz sowie Lehrbeauftragte an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitsteilung und Kooperation, Computerisierung, intellektuelle Eigentumsrechte und industrielle Beziehungen. Aktuelle Veröffentlichung: Reglementierte Kreativität. Arbeitsteilung und Eigentum im computerisierten Kapitalismus, Berlin, 2010