28.11.13 | 19.00 | Ruhr-Universität Bochum | HGC 30

"(Another) rehearsal for destruction": Eine antichinesische Vorgeschichte des deutschen Antisemitismus


Die Entstehung des modernen Antisemitismus in Deutschland am Ende des ’langen 19. Jahrhunderts’ wird gewöhnlich als eine nationale Geschichte geschrieben. Doch für dessen Herausbildung bilden die geografischen Grenzen der neuen deutschen Nation und die Residuen des überkommenen europäischen Antijudaismus nur einen, wenn auch wichtigen, Teilhintergrund. Die Öffentlichkeiten der europäisch-nordamerikanischen Mächte sahen sich selbst neben der angeblichen „jüdischen Frage“ mit der so genannten „chinesischen Frage“, etwas später sogar mit einer „Gelben Gefahr“ konfrontiert. In diesen transnationalen Hexenküchen des Ressentiments wurde zum Zeitpunkt gleichzeitiger, heute kaum mehr realisierter weltweiter Mobilität von Waren und Menschen, ebenso das Instrumentarium des gewalttätigen politisierten Antisemitismus wie der rassistischen Deutung von Staat, Nation und Gesellschaft und ihrer bürokratischen Institutionen geschaffen.


Referent: Florian Hessel