3.6.15 | 19.15 | Uni Essen | Raum V13 S00 D50

Über Adorno & Foucault. Zur Kritik der ästhetischen Eigentlichkeit


Nach Foucaults eigenem Bekunden besteht zwischen seinen Schriften und denen der Frankfurter Schule eine gewisse „Brüderlichkeit“, die sich vor allem darin zeige, dass beide Denkströmungen eine um einen Konnex von Rationalität und Herrschaft zentrierte Kritik der Gesellschaft vertreten. Unterzieht man allerdings diese Verwandtschaftsthese einer näheren Überprüfung, dann führt dies zu einer ganz gegensätzlichen Einschätzung: Denn während die Frankfurter Schule - und hier insbesondere Adorno - die kritische Theorie als eine geschichtsphilosophisch begründete Erkenntnis- und Ideologiekritik einer bloß instrumentell gebrauchten Vernunft konzipiert, entwickelt Foucault mit den beiden Analyseverfahren von Archäologie und Genealogie eine Gesellschaftstheorie, die ideologiekritische und geschichtsphilosophische Elemente explizit ablehnt.

Der Vortrag wird die genannten Differenzen zwischen kritischer und poststrukturalistischer Theorie näher herausarbeiten. In Bezug auf Foucault liegt dabei ein besonderer Schwerpunkt auf dessen Nähe zu Heidegger. In diesem Sinne wird zu zeigen sein, inwiefern die von Foucault in seinem Spätwerk ausgearbeitete „Ästhetik der Existenz“ mit jener menschlichen Daseinsweise konvergiert, die Heidegger mit dem Prädikat der „Eigentlichkeit“ versieht - eine Eigentlichkeit, die Foucault durch gewisse poststrukturalistische Korrekturen zu einer Theorie der „ethischen Lebenskunst“ umdeutet, die im politischen Spiritualismus der iranischen Revolution ihre ideale Artikulationsform erhielt.


Vortrag mit Markus Reiß